Archive for the 'Sonic Fictions' Category

 

Liquid Writing 2010 A.D.

Jun 23, 2010 in Anthropology of Sound, Event, Literature, Research, Sonic Fictions, Sound Studies


Es gibt keine tabula rasa. Der Raum ist nicht leer. Doch spätestens seit dem 18. Jahrhundert wollen bürgerliche Individuen des alten Europa sich – besoffen von eigener Subjektrelevanz – allzu gerne als einzig relevante Körper begreifen: Körper, die diesen Namen verdienen. Doch die gesamte erreichbare und für menschliche Kreaturen lebbare Welt ist ein Ineinanderfließen von Körpern ohne eindeutige Außengrenzen. Lebende Wesen sind löcherig, sprich: porös. Unaufhörlich dringt Schweiß aus uns heraus, verlassen Gerüche unsere Poren und dringen Dämpfe und Gase, Kleinstlebewesen und Schwebeteilchen, feinste Stäube in uns ein.


In ›Aufklärungen: Gespräche mit Bruno Latour‹, sagt Michel Serres, französischer Mathematiker, Wissenschaftshistoriker und sogenannt unsterbliches Mitglied der Académie française:

»Was ich zu formen, zusammenzusetzen zu fördern suche – ich finde nicht das richtige Wort –, ist eine Syrrhese und nicht ein System, ein mobiler Zusammenfluss von Strömen. Turbulenzen, Tiefdruckgebiete, die sich über Hochdruckgebiete schieben, wie auf der Wetterkarte, Knoten aus Stroh. Ein Beziehungsgeflecht.«


In solchen Räumen, die zusammenfließen, fahren, leben und schreiben wir – schreibe ich auch diesen Text: Während diskretes Klackern der gefederten Tastatur die Anzeige dieser Buchstaben begleitet, knattert vor meinem Haus der Presslufthammer, um Schienen der Trambahn freizulegen. Von nebenan ertönt derweil mit 230 Hertz der ewige Drone der Fußballtröten.


Das Sommerseminar Liquid Writing – Schreiben im Fluss von Krystian Woznicki und Holger Schulze ist ein Projekt des Berliner Gazette e.V. in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt im Rahmen der Wassermusik 2010. Es bringt aktuelle Forschung und avancierte Publizistik miteinander in Dialog. Kreative Schreibübungen – begleitet von den Welt-Stars des Wassermusik-Festivals – kulminieren in einer Lesung & Radiosendung.


* Termin: 28. Juli bis 1. August 2010

* Anmeldung bis 30. Juni 2010: info@berlinergazette.de


Eine Sound Studies-Analyse der Vuvuzela

Jun 16, 2010 in Anthropology of Sound, Aural Architecture, Popular Culture, Research, Sonic Fictions, Sound Studies

Jochen Bonz schreibt:


Wie das »lift-up-over-sounding« der Kaluli ist auch der WM-Soundscape durch eine Synchronizität, die nicht im Gleichklang ist, gekennzeichnet, dicht, textural, materiell, attackierend, nachebbend…: immer ähnlich klingend, aber nie gleich oder einheitlich.

[...]

Übertragen auf den WM-Soundscape: Was mit dem Vuvuzela-Sound nachdrücklich – im Medium Klang – in Erscheinung tritt, für uns, ist das afrikanische Publikum, die Gemeinschaft der dort eben nicht nur zuschauend Teilnehmenden. Der dort Anwesenden. Der Dortigen. Mit der Vuvuzela reklamieren sie für sich den Status eines Akteurs. Gerade so, wie man das in Europa von den Ultras sagen könnte, die ja auch gerade dadurch auf die Nerven gehen können, dass sie sich selbst feiern, indem sie ohne erkennbaren Bezug auf das Spiel agieren. Oft auch mit Gesängen, die zugleich so unbeweglich und dynamisch sind, wie der Vuvuzela-Soundtrack.


New musical instrument by Roger Linn

Jun 02, 2010 in Functional Sounds, Popular Culture, Sonic Fictions, Sound Art, Sound Studies, Technology, Web



Roger Linn Design, Berkeley, CA, USA


Sonic Wire Sculptor

May 26, 2010 in Art, Performance, Sonic Fictions, Sound & Vision, Sound Studies, Web

An iPhone-App based on a musical instrument by Amit Pitaru.

No difference whatsoever

Feb 02, 2010 in Anthropology of Sound, Popular Culture, Sonic Fictions, Sound Studies

Snippets from Brian Eno talking to music critic Paul Morley (BTW: founder of Zang Tuum Tumb Records):


I liked the processes and systems in the experimental world and the attitude to effect that there was in the pop, I wanted the ideas to be seductive but also the results.


Instruments sound interesting not because of their sound but because of the relationship a player has with them.


A way to make new music is to imagine looking back at the past from a future and imagine music that could have existed but didn’t.


You define who you are and where you are by the things that you know you are not.

Is there conceptual music…

Nov 11, 2009 in Anthropology of Sound, Essay, Personal, Sonic Fictions, Sound Art, Sound Studies

…as there is concept art?


Or did the new avantgarde genres of happening and performance art in the 1960es already absorb all the conceptual qualities and energy of the musical score?

Are performance scripts the only way of musical conceptualism an art history could think of?


The all-knowing Trash Heap seems to approve.

Or is this conceptual music; or this?


One Minute Soundsculpture

Oct 19, 2009 in Aural Architecture, Link, Popular Culture, Sonic Fictions, Sound & Vision, Sound Art, Sound Studies, Web

By Daniel Franke:



(via Beautiful Decay)


Endless Rain Record

Oct 16, 2009 in Anthropology of Sound, Link, Sonic Fictions, Sound Art, Sound Studies


this phonograph record plays endlessly.

the grooves in the record forms a circle.

it endlessly plays rain sounds and the sound of rain drops.


(via argh.de)


Locative audio media: You mix when you move

Oct 01, 2009 in Anthropology of Sound, Aural Architecture, Link, Popular Culture, Sonic Fictions, Sound & Vision, Sound Art, Sound Studies, Technology

Looping musical phrases are represented on a map as overlapping circular territories. As the vehicle approaches the center of a circle, the volume increases. In areas of the map where territories overlap the vehicle generates dynamic mixes of the overlapping musical phrases. By exploring a very large map of many overlapping territories the Beatmap creates complex, dynamic mash-ups.

The map can be explored on foot, by plane, boat, train, or automobile. In this footage the map is explored by car on the Bonneville Salt Flats, allowing the user to freely accelerate, swerve, and slam to a stop for optimum musical control of the instrument.



Ohrentropfen

Jul 07, 2009 in Anthropology of Sound, Essay, Philosophy, Research, Sonic Fictions, Sound Studies

Oder: Wie wir von Sounds durchdrungen werden:

Habe ich ueberhaupt einmal bewusst vor einem Aquarium gestanden? Ich habe diffuse Erinnerungen an fremde Wohnungen, an Bars und Fernsehbilder, Zeitungsbilder der Bueros von Bundeskanzlern und weltbeherrschungssuechtigen Konzernfuehrern. Das Aquarium stand fuer mich damals wohl ganz offensichtlich fuer eine andere, unerreichbare, erschreckend eindeutig geordnete und ganz klar machtbesessene, machtbesetzende, reiche Welt. Familien mit Firmensitz, Swimmingpool und Sauna, mit eigenen Bediensteten und Stehempfaengen, zu denen passte dann wohl auch ein Aquarium. In meinem Imaginarium jener Zeit. Es ist Statussymbol und genuiner Bestandteil buergerlicher Repraesentanz. Die Welt im eigenen Wohnzimmer: Globus – Aquarium – 5.1-Surround-Sound-Heimkino? Ueber die Zeit ist das symbolische Allmachtsinstrument deutlich beweglicher und welthaltiger geworden.

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