Archive for April, 2008

 

Metaphysik und Berufsbild

Apr 30, 2008 in Anthropology of Sound, Aural Architecture, Philosophy

Was mich nach dem gestrigen Vortrag von Andreas Oldörp nicht losgelassen hat, war die Sache mit dem Bild und dem Ton; genauer, der medialen Darstellung von Klanginstallationen, die auditiv und visuell wirken. Es ist nicht das erste Mal, dass bei “Klangkunst-Präsentationen” mehr zu sehen als zu hören ist.

Können wir etwa die Klangaufnahme einer Installation nicht genauso unbekümmert anhören, wie eine fotografische Aufnahme davon anzuschauen?

Dass ein 2-dimensionales  Bild, die Wahrnehmung eines Raumes vor Ort nicht ersetzt ist selbstverständlich. Warum fällt diese Trennschärfe zwischen einer einfachen Stereo-Aufnahme und dem immersiven Hören im Originalraum anscheinend schwerer? Warum soll also eine Klangaufnahme nicht genauso als Ausschnitt und Fragment zu hören sein, wie eine Fotografie beispielsweise der Ecke eines Lichthofes?

Ich bin mir nicht klar, ob das nun eine subjektive Künstlerposition war, den Klang nur als Original zuzulassen, oder ob wir kulturell davon durchdrungen sind? Dass irgendwo da aus dem Orgelwerk oder sonstwo her, immer noch eine Stimme auf uns herabruft, die meint “Du sollst Dir kein Bildnis neben mir machen”! Und wir entsprechend unvermittelt ehrfürchtigen Abstand zum Heiligen Klang wahren.

Wie dem auch sei, vor allen Dingen ziehe ich daraus pragmatisch die Konsequenz, dass da draußen ganz sicher und unbedingt professionelle Klang- Wahr- und Aufnehmer gebraucht werden, die sich als klAngler neben die Fotografen gesellen.  Ich sehe keinen Grund, warum nicht.

God bless you all.

Eine Szene aus dem Empire anno 2002

Apr 30, 2008 in Anthropology of Sound, Literature, Personal, Sonic Fictions


Der Abend vor dem ersten Mai. Gegen vier Uhr nachmittags war ich nachhausegekommen. Überreizt und verspannt, müde, von einem langen Tag mit vielen Terminen, sogar das Quietschen der U-Bahnschienen hatte mich mitgenommen, setzte ich mich noch einmal an den Rechner. Ein paar Mails waren zu beantworten, eine Quelle im Netz zu suchen, dann aber konnte ich mich endlich ins Bett legen. Für den Abend war geplant zum Oranienplatz zu gehen, ein Open Air-Konzert, und später sich auf meinem Balkon zu versammeln, um die Konfrontationen auf dem Platz vor meinem Haus zu beobachten. Für den Oranienplatz hatte ich abgesagt, heute wollte ich nicht mehr raus, freute mich aber auf einen Besuch meiner Freunde. Sie werden anrufen. Ich schlafe. Gegen neun Uhr oder etwas später klingelt die erste Freundin. Sie besorgt sich noch etwas zu trinken und mir netterweise noch was zu essen. Geld ist knapp. In der Zwischenzeit ziehe ich mich an und zeige ihr dann als erstes meine Wohnung, sie war noch nie bei mir. Einige Zeit später, wir sitzen schon und reden, kommen die beiden anderen Freunde. Anfang Juni erscheint die Platte, die jetzt gerade läuft, einer der beiden Freunde hat mir das Rezensionsexemplar eines Kollegen kopiert. Und meint, als er sie beim Hereinkommen schon wieder bei mir hört: »Die gefällt Dir ja wirklich!«


Als wir zusammensitzen berichtet der andere Freund, er lebt als Journalist in London, über Restaurantbesuche und das Viertel, in dem er wohnt. Letzten Freitag ist unsere Freundin aus Tokyo zurückgekommen und erzählt deshalb Geschichten von Shopping, Schulmädchensex und Mobiltelefonen. Auf dem Platz noch alles ruhig. Keine Trommeln, keine Feuer, nur gelegentliche Mannschaftswagen der Polizei.


Noch vor Mitternacht muss die Freundin los, weiter in einen Club, in dem auch heute wieder Freunde von ihr auflegen. In der Tür verabreden wir uns noch lose für den nächsten Nachmittag, im Park, dem Café dort. Wir übrigen hören schließlich doch noch Lärm vom Platz. Auf dem Balkon stehend sehen wir einige kleinere Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Grelle Scheinwerfer zweier Fernsehteams leuchten das ganze ziemlich gut aus. Viel passieren wird hier aber nicht mehr. Ich möchte jetzt doch ganz gerne, ziemlich erschöpft von diesem langen, reichen Tag, wirklich ins Bett gehen. Die beiden Freunde machen sich auf den Heimweg.


Der Nicht-Londoner wird, wie er mir am nächsten Tag erzählt, bei seiner Straßenbahnfahrt zurück in sein Viertel noch aufgehalten, der Park in der Nähe ist Ort mittlerer Kampfhandlungen. Der Londoner dagegen wohnt bei mir hier um die Ecke, schon länger als ich, und meint noch, beim Treppenruntergehen: »Auf gute Nachbarschaft!«



(Aus: Szenen aus dem Empire, 2002)


Treiben auf der Spree

Apr 28, 2008 in Anthropology of Sound, Essay, Research

Ich frage mich die letzten paar Tage, wo mit Spreeblick klingt Berlin nach Fluss und Wasser?

Ich fahre in mir hoch und runter auf dem Fluss, von links nach rechts auf der Karte und vor und zurück auf der Zeit. Suche die Orte und Momente eines maritimen Aufstrahlens vielleicht, wo diese träge Masse nicht nur Wellen auf ihrer Waseroberfläche schlägt sondern auch hörbar über die Ufer schwappen lässt.

Davon müsste es eigentlich ganz viele geben, denn immerhin, Berlin hat mehr als doppelt soviele Brücken wie Venedig.
Nur führen die wahrscheinlich nicht alle über Wasser.

My last week in sound.

Apr 27, 2008 in Miscellaneous, Sound Studies



Monday:

Geert-Jan Holbijn of Staalplaat Soundsystem presenting Composed City.


Tuesday:

Detlef Diederichsen of Die Zimmermänner-fame and Head of Performing Arts Department at the Haus der Kulturen der Welt Berlin.


Wednesday:

3rd dancing lesson in Kreuzberg’s Walzerlinksgestrickt: more Walzer-figures & goofy Discofox.


Thursday:

Visiting Deutsche Telekom Laboratories in the 19th floor of the Telefunken-Haus of the Technische Universität Berlin:

Listening to projects of the Sonic Interaction Design working group no.3.


Friday:

A concert of Tocotronic supported by 18th Dye and first a secret gig of Kettcar.


Saturday:

Attending a rehearsal of the Berliner Philharmoniker in the morning and talkin’ to Mr. Rattle.


Sunday:

Talkin’ to Berlin-based artist Johanna Thompson about standing waves in living rooms and white cubes.

Porno Soundtracks

Apr 24, 2008 in Popular Culture

What happens if you put three professional musicians in a recording studio and … have them watch porn movies?

While you probably begin imagining strange situations, these guys made it a creative venture. They created a new soundtrack to the 70ties adult movies they were watching - turning off the sound and just letting their instincts come up with vivid musical imaginations. And it worked.

This music sounds like a combination of Quentin Tarantino’s Death Proof and the Emanuelle sequels of adult movies. Feisty and furious with a sugarcoat of sensuality. This is the first volume of their ventures, played on real instruments and treated to have the authentic sleazy sound of the 70’s.

Forbidden Ensemble: Porno Soundtracks Vol. 1 (PoSoTra Belgium 2007)

Composing the city - in sound and in space.

Apr 21, 2008 in Art, Aural Architecture, Research, Sound Studies

In Composed City, public space will be used as an instrument. The public space will be played, and its sounds will help creating local identity.

The sound work will be exhibited in Berlin at festival Tuned City, a collaboration of Staalplaat Soundsystem with Sound Studies at the University of the Arts Berlin, the Technische Universität Berlin and Tx architects:

Composed City (Wriezener Freiraum Berlin April 29th to July 5th 2008)

Wer was zu verschwenden hat, kriegt was zurück.

Apr 21, 2008 in Popular Culture, Sonic Fictions

Klaus Theweleit über Musik zur Revolte aus dem Doppeljahr 1967/1968:

Konzeptalbum und Drogenmusik (taz 21. April 2008)

Es ist Sonntag

Apr 20, 2008 in Functional Sounds, Sonic Fictions

Der Lüfter des Rechners vor mir rauscht hochfrequent. Draußen rangieren die Züge. Die Zeitschaltuhr des Backofens piept.

a terrifying beige body suit

Apr 18, 2008 in Popular Culture, Sonic Fictions, Sound & Vision

Anna Pickard’s impressive sonic fiction of the new Madonna-Video:

Madonna returns, and she’s brought Justin Timberlake, Timbaland and a terrifying beige body suit with her for new video 4 Minutes (Pickard of the pops, guardian.co.uk)

Ohne an irgendein blöde erlösendes Ende kommen zu wollen oder müssen zu meinen.

Apr 17, 2008 in Anthropology of Sound, Link, Sonic Fictions, Sound Art, Sound Studies

Wow! Diedrich Diederichsen über Michael Wertmüller:

Komm nicht ins Offene! (Berliner Zeitung, 17. April 2008)